Irgendwann ist immer das erste Mal

Von Leonie Schulze

11. Oktober 2018 – Bis vor Kurzem waren Münzen für mich nur Münzen. Nicht mehr und nicht weniger. Ein Zahlungsmittel, der einzige Weg, um an einen Einkaufswagen zu kommen und etwas, das sich am Boden meiner Handtasche lose ansammelte. Und dann wurde es zu meinem Beruf. Nachdem ich also für ein paar Monate über die Numismatik geschrieben und einiges darüber gelesen hatte, wurde ich auf die internationale numismatische Gemeinschaft losgelassen – auf der 40. Coinex in London am 28. und 29. September 2018. Organisiert wurde sie wie immer von der British Numismatic Trade Association (BNTA).

Das weltberühmte London Eye befindet sich direkt neben der County Hall. Foto: UK.

Das weltberühmte London Eye befindet sich direkt neben der County Hall. Foto: UK.

Die Coinex 2018 fand in der County Hall statt, gelegen im Zentrum Londons gleich neben der Westminster Bridge an der Themse. Es ist wirklich ein beeindruckend schöner Veranstaltungsort, der einen fantastischen Blick auf die City of Westminster, die Houses of Parliament, und den Elizabeth Tower (Big Ben) bietet – wobei letzterer leider im Moment aufgrund von Renovierungsarbeiten unter Baugerüsten versteckt ist.

Auch numismatische Liebe geht durch den Magen, nicht wahr? Foto: UK.

Auch numismatische Liebe geht durch den Magen, nicht wahr? Foto: UK.

So manche(r) mag sich etwas verlaufen haben (oder ging es nur mir so?) auf der Suche nach dem richtigen Eingang in das riesige Gebäude sowie den Räumlichkeiten, in dem der Empfang am Abend vor Beginn der Münzbörse stattfand. Aber glücklicherweise fand man viele hilfsbereite Menschen auf dem Weg, die einen in die richtige Richtung schicken konnten. Beim Empfang merkte ich dann schnell, dass Münzhändler, Leiter von Auktionshäusern und andere, die in der Numismatik arbeiten, nicht nur viel über Grading, Verkauf, Lagerung und Sammeln wissen. Sie haben auch einen äußerst guten Geschmack hinsichtlich süßer Leckereien, Champagner und Musik. In einer entspannten und fröhlichen Atmosphäre bekam ich die Möglichkeit, die ersten meiner Erwartungen und Vorurteile zu berichtigen. Der Hinweis möge genügen, dass entgegen der allgemeinen Auffassung, ich nicht die einzige Teilnehmerin unter 60 Jahren war.

Meine neuen numismatischen Journalistenkollegen Jeff Stark, Sebastian Wieschowksi, Michael Alexander (v.l.n.r.) und ich. Foto: UK.

Meine neuen numismatischen Journalistenkollegen Jeff Stark, Sebastian Wieschowksi, Michael Alexander (v.l.n.r.) und ich. Foto: UK.

Die Coinex fand nicht, wie es bei Münzbörsen sonst üblich ist, in einem großen Raum oder einer Messehalle statt. Vielmehr waren die Stände und Tische in einer Vielzahl kleinerer und größerer Räume verteilt. Trotz der großen Anzahl an Teilnehmern und der daraus resultierenden Geschäftigkeit, wirkte die Veranstaltung dementsprechend ruhig und entspannt. Dieser Aufbau glich dennoch einer Art kleinem Labyrinth, das leider dafür sorgte, dass einige Aussteller in Nebenräumen etwas weniger Aufmerksamkeit bekamen als andere.

Auch aus Italien reiste man nach London. Hier Mathias und Giovanni Paoletti von Paoletti S.r.l. Foto: UK.

Auch aus Italien reiste man nach London. Hier Mathias und Giovanni Paoletti von Paoletti S.r.l. Foto: UK.

Da die Coinex in diesem Jahr zum 40. Mal stattfand, hatte die BNTA nicht nur ihre eigenen Mitglieder eingeladen, sondern auch viele internationale Händler, Auktionshäuser, Gradingfirmen und Verlage. Kein Wunsch, der von einem Neuling oder einem leidenschaftlichen Sammler und Experten geäußert werden konnte, blieb hier unerfüllt und keine Frage unbeantwortet. Beratung und Ratschläge gab es an jedem Tisch – nicht nur im Hinblick auf Münzen, die man sammeln sollte, sondern auch Bücher, die man lesen, Themen, die man recherchieren und Artikel, die man schreiben sollte.

Carol Hartmann und John Mussell von Token Publishing hatten natürlich viele Literaturtipps. Foto: UK.

Carol Hartmann und John Mussell von Token Publishing hatten natürlich viele Literaturtipps. Foto: UK.

Es war mir bewusst, dass die Münzwelt eine sehr leidenschaftliche ist. Und jeder, den ich kennenlernte, war sofort bereit, diesen Enthusiasmus und seine Expertise in diesem Gebiet mit mir zu teilen. Zu meiner Überraschung wurde ich in mehr Diskussionen involviert, als ich mir das zuvor hätte vorstellen können. Und diese Unterhaltungen waren unerwartet ehrlich. Man hörte nicht nur Lob. Es wurde auch unverblümte Kritik geäußert an neuesten Geschäftsentwicklungen und Ärger über das nie endende Abwägen des Wertes (zahlenmäßig sowie im übertragenen Sinne) von antiken im Gegensatz zu modernen Münzen oder womöglich zeitgenössischen Neuprägungen.

Die Organisation, geleitet von Christel Swan und ihrer Tochter Romina, war perfekt. Foto: UK.

Die Organisation, geleitet von Christel Swan und ihrer Tochter Romina, war perfekt. Foto: UK.

Christel Swan und ihrem Team gebührt großes Lob und der Dank aller Teilnehmer für die Organisation der diesjährigen Coinex. Die beliebte Münzbörse war auch in ihrem 40. Jubiläumsjahr ein großer Erfolg. Und sie war eine großartige Möglichkeit für mich, die Welt der Münzbegeisterten in der Praxis kennenzulernen. Nun habe ich einen Eindruck davon bekommen, was sie alles zu bieten hat. Auch wenn ich hoffe, dass der Kaffee bei der nächsten Veranstaltung dieser Art etwas besser ist als der, der in der County Hall angeboten wurde, bin ich mir doch sicher, dass das nicht meine letzte Münzbörse gewesen ist.

Weitere Impressionen der 40. Coinex 2018 in London:

Mehr Informationen über die Coinex finden Sie auf der Internetseite der BNTA.

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