Ein neues Buch zu Antinoos

von Ursula Kampmann

12. Februar 2015 – Es gibt unterschiedliche Formen der numismatischen Publikation. Da wäre zunächst der Katalog nach Typen oder Stempeln, mit oder ohne Preise. Kataloge sind häufig die Grundlage der numismatischen Erörterung und als solche von großer Bedeutung. Und dann gibt es natürlich die numismatische Abhandlung, bei der anhand von Münzen eine Geschichte erzählt wird. Rainer Pudill hat sich für die zweite Variante entschieden.

Rainer Pudill, Antinoos. Münzen und Medaillons. Battenberg-Gietl-Verlag, Regenstauf, 2014. 156 S., 17,4 x 24,5 cm, durchgehend farbige Abbildungen, Hardcover. ISBN: 978-3-86646-113-0. 34,90 Euro.

Rainer Pudill, Antinoos. Münzen und Medaillons. Battenberg-Gietl-Verlag, Regenstauf, 2014. 156 S., 17,4 x 24,5 cm, durchgehend farbige Abbildungen, Hardcover. ISBN: 978-3-86646-113-0. 34,90 Euro.

„Hier soll ein neuer Weg beschritten und die kultur- und religionsgeschichtliche Aussage der Darstellungen in den Vordergrund gestellt werden.“, so äußert sich der Autor selbst über sein Buch „Antinoos – Münzen und Medaillen“. Und tatsächlich liest sich die Abhandlung wie ein etwas zu lang geratener Artikel für eine numismatische Zeitschrift. Nach einigen kurzen Vorbemerkungen zum römischen Münzsystem und den Prägungen für Antinoos handelt der Autor die verschiedenen Münztypen ab, geordnet nach den Gottheiten, mit denen Antinoos gleichgesetzt wurde. Wobei der Begriff „gleichgesetzt“ ziemlich gewagt ist. Es bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die „gleichgesetzte“ Gottheit auf der Rückseite dargestellt ist und ihr unterstellt wird, sie trage die Züge des Antinoos (was ob der mangelnden Größe und Erhaltung der abgebildeten Stücke vom Leser nur in einigen seltenen Fällen nachempfunden werden kann). Historische Quellen für die postulierte Gleichsetzung findet man nur in seltensten Fällen.
Nichtsdestotrotz ist der Text natürlich interessant zu lesen. Man erfährt Details zur jeweiligen Gottheit bzw. dem Heros, also etwa über Dionysos, Asklepios, Pan oder Apis bzw. die Legenden von Bellerophon oder Androklos. Man findet Details zu den verschiedenen Emissionen. Und man kann sich ein Bild machen, in welchen Zusammenhängen Antinoos und sein Kult betrachtet wurde. Das Buch birgt eine Fülle von sorgfältig gesammeltem Material mit Details, die man kaum ausschöpfen kann. Gleichberechtigt wurde neueste numismatische Forschung mit Anmerkungen aus Auktionskatalogen nebeneinander gestellt.

Rainer Pudill legt also so etwas wie einen illustrierten Kommentar zu den verschiedenen Typen der Münzprägung zu Ehren des Antinoos vor. Auf welcher Materialbasis sein Werk beruht, das ist leider nicht so einfach nachvollziehbar. War Vollständigkeit angestrebt? Wenn nicht, welche Quellen wurden herangezogen?
So ist es schwer, das Buch als zitierfähiges Corpus anzusprechen, vor allem weil die Nummerierung Wünsche offen lässt. Schön wäre es gewesen, eine fortlaufende Nummerierung zu haben. Die gibt es zwar, aber nur scheinbar, weil in ihr auch Münzen aufgelistet sind, die nichts mit Antinoos zu tun haben und nur als Vergleichsstücke zitiert werden.

Wer das zitierfähige Corpus vermisst, der wird im Buch selbst mittels eines Nachdrucks auf den alten Gustave Blum zurückverwiesen, der 1914, genau 100 Jahre vor dem Erscheinen von Pudills Werk, seine „Numismatique d’Antinoos“ publiziert hat. Einen Katalog im altmodischen Sinne, geordnet nach geographischen Regionen. Nach den Mitteln der Zeit ausschließlich mit Abbildungen von Gipsen, die auf 5 Tafeln angeordnet sind.

So verdienstvoll und spannend der numismatische Kommentar von Rainer Pudill ist, der alte Blum ist damit also noch nicht obsolet.

Bestellen können Sie den neuen Katalog direkt beim Gietl-Verlag.

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