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Eulen nach Athen tragen

von Ursula Kampmann
mit freundlicher Genehmigung von Dr. Hans Voegtli / ACAMA

ATHEN. Tetradrachmon, 454-406 v. Chr. Kopf der Athena mit attischem Helm n. r., auf ihrem Helm drei Olivenblätter und Ranke. 
Rv. Eule n. r. stehend, hinter ihr Zweig mit zwei Lorbeerblättern und Frucht. 17,20 g. Svoronos Tf. 16, 5. Aus Auktion Münzen & Medaillen Deutschland 9 (4. und 5. Oktober 2001), 16.
ATHEN. Tetradrachmon, 454-406 v. Chr. Kopf der Athena mit attischem Helm n. r., auf ihrem Helm drei Olivenblätter und Ranke. 
Rv. Eule n. r. stehend, hinter ihr Zweig mit zwei Lorbeerblättern und Frucht. 17,20 g. Svoronos Tf. 16, 5. Aus Auktion Münzen & Medaillen Deutschland 9 (4. und 5. Oktober 2001), 16.

ATHEN. Tetradrachmon, 454-406 v. Chr. Kopf der Athena mit attischem Helm n. r., auf ihrem Helm drei Olivenblätter und Ranke. Rv. Eule n. r. stehend, hinter ihr Zweig mit zwei Lorbeerblättern und Frucht. 17,20 g. Svoronos Tf. 16, 5. Aus Auktion Münzen & Medaillen Deutschland 9 (4. und 5. Oktober 2001), 16.

Im Jahre 479 besiegten die Griechen die Perser bei Plataiai. Daß damit ein Jahrzehnte langer Kampf zu Ende sein würde, wagte damals noch niemand zu hoffen. Im Gegenteil, jede griechische Stadt fürchtete, daß der persische König mit seinen unermeßlichen Schätzen und seinen sagenhaften Ressoucen ein neues, ein noch größeres Heer aufstellen würde, um ganz Griechenland zu erobern. Man mußte etwas unternehmen, um dem zuvor zu kommen. So gründeten einige griechische Städte unter Führung von Athen einen Bund, um sich bei einem Angriff zu verteidigen. Unter den Mitgliedern dieser Vereinigung finden wir vor allem Städte in Kleinasien und auf den Inseln, die fürchteten, als erste unter einem Angriff der Perser zu leiden. Sie stellten entweder Schiffe zur Verfügung oder Geld, um diese zu unterhalten. Die Kriegskasse wurde im Apollontempel auf Delos gelagert. Man hoffte, die Autorität des mächtigen Gottes würde Räuber davon abhalten, auf die riesigen Summen zuzugreifen. Dort hielten die Mitglieder dieses Bundes auch ihre Treffen ab. Nach diesem geographischen Mittelpunkt nennen heutige Historiker den damals gegründeten Bund den delisch-attischen Seebund.

 

Der Parthenon von Athen - bezahlt mit athenischen Tetradrachmen.

Der Parthenon von Athen - bezahlt mit athenischen Tetradrachmen.

Zunächst war diese Vereinigung eine Gruppe von Gleichgesinnten und fast Gleichgestellten. Aber allmählich bekam Athen die Übermacht. Viele Städte zogen es vor, lieber Geld zu geben, als ein Schiff auszurüsten. Athen war das recht. Durch den Flottenbau boomte seine Wirtschaft und die von anderen finanzierten Schiffe standen unter Athens Befehl. So konnte Athen im Jahr 454 die Kasse des Bundes von Delos nach Athen verlagern. Nun gebot die athenische Volksversammlung über die Mittel der Bundesgenossen. Der freiwillige Beitrag zur Finanzierung der Verteidigung gegen die Perser war zum Tribut geworden. Athen stand am Höhepunkt seiner Macht, und das Silber, das in die Stadt kam, wurde ausgemünzt und für die eigenen Zwecke ausgegeben. Der größte Teil der Münzen, die auf der einen Seite Athena und auf der anderen Seite die Eule zeigen, sind in dieser Zeit entstanden. Glaukes, Eulen, so nannten die Griechen sie und heute noch kennt man in Deutschland das Sprichwort "Eulen nach Athen tragen", wenn einer etwas dorthin bringen will, wo sowieso schon genug davon vorhanden ist. Auch unser Exemplar wurde in dieser Zeit geprägt. Mit Tetradrachmen wie dieser finanzierten die Athener die Bauten der Akropolis, mit ihnen wurden die Lieferanten gezahlt, die Proviant für das Heer lieferten und auch die Seeleute selbst erhielten ihren Lohn vom Staat in frisch geprägter Münze.
Sehen wir uns dazu einige Zahlen an. Zwischen 140 und 180 Mitglieder hatte der delisch-attische Seebund. Sie alle leisteten ihre Zahlungen. Thukydides spricht von 600 Talenten Silber, die die Athener zur Blütezeit einnahmen. Inschriften lassen uns allerdings an eine wesentlich niedrigere Summe denken. Wir können zum Beispiel relativ verläßlich schätzen, daß Athen im Jahr 431 von seinen Bundesgenossen 430 Talente erhielt.
Nicht alle lieferten dabei gleich viel ab. Aus Inschriften wissen wir, daß zum Beispiel Kyme 9 Talente im Jahr 441 an die Bundeskasse zahlte. Genauso viel zahlte Kyzikos, während Byzantion mehr als 15 Talente an die Athener abgeben mußte.

Doch diesen Einnahmen standen auch hohe Kosten entgegen. Von Thukydides wissen wir, daß allein die Lohnkosten von 60 Schiffen mit 60 Talenten pro Monat berechnet wurden. Aus einem Talent Silber konnte man 6.000 athenische Drachmen oder 1.500 Tetradrachmen prägen. Das heißt, pro Tag und pro Schiff gaben die Athener etwa 200 Drachmen nur für Lohn aus, wobei der einfache Seemann mit einer Drachme pro Tag rechnen konnte. Doch gerade in den frühen Jahren war der Überschuß, den Athen erwirtschaftete, enorm. Und so blickte die Stadt voll Selbstvertrauen in die Zukunft, selbst als der Peloponnesische Krieg sich abzuzeichnen begann.
Bei Thukydides II, XIII, 2ff. finden wir eine genaue Aufstellung, wie viel Geld sich zu dieser Zeit im Staatsschatz befand: "Der Zustand der Finanzen war ermutigend: Der jährliche Durchschnitt der Einnahmen aus den Beiträgen der Verbündeten betrug 600 Talente, ganz zu schweigen von den anderen Einkünften; außerdem befanden sich auf der Akropolis 6.000 Talente von ausgemünztem Silber (der gesamte Betrag betrug ursprünglich 9.700 Talente, aber davon war die Summe von 3.700 Talenten für verschiedene Gebäude, wie zum Beispiel die Propyläen der Akropolis, und für die Belagerung von Potidaia ausgegeben worden). Dazu kamen noch das nicht ausgemünzte Gold und Silber ... im Wert von mindestens 500 Talenten und mehr". Doch dieses Geld schmolz schnell dahin, als die Kriegskosten immer höher wurden und immer mehr Verbündete sich weigerten zu zahlen. Vor allem der Invasionsversuch in Sizilien im Jahr 415 erschöpfte die Staatskasse und 412 weigerten sich die meisten ehemals Verbündeten für die athenischen Extravaganzen aufzukommen. Es dauerte nur noch bis zum Jahr 407/6 bis die einstmals unerschöpflich scheinenden Silberreserven aufgebraucht waren.

I. Carradice (Hg.), Coinage and Administration in the Athenian and Persian Empires. Oxford, BAR 343 (1987).

J. Theodorou, Athenian Silver Coins: 6th-3rd centuries BC The current interpretion. MNHMH Martin J. Price, BIBLIO HKHS NOMISMATIKHS ETAIREIAS 5, Athen 1996.

U. Wartenberg, After Marathon. War, Society and Money in Fifth-Century Greece. London 1995.

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