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Zweiter Antoninian des römischen Kaisers Proculus gefunden

von Björn Schöpe

22. November 2012 – Es war ein echter Sensationsfund, doch das erfuhren die beiden Sondengänger erst, nachdem sie ihre kleine Silbermünze hatten bestimmen lassen. Dass ihnen das Stück nicht geläufig war, verwundert nicht – bislang war nur ein einziges anderes Exemplar bekannt.

Der bisher einzige bekannte Antoninian des Proculus, der heute in der Staatlichen Münzsammlung München liegt. Aus Auktion Bankhaus H. Aufhäuser 8 (1991) 640. Ausruf: 30.000 DM. Ergebnis: 92.000 DM.

Der bisher einzige bekannte Antoninian des Proculus, der heute in der Staatlichen Münzsammlung München liegt. Aus Auktion Bankhaus H. Aufhäuser 8 (1991) 640. Ausruf: 30.000 DM. Ergebnis: 92.000 DM.

In der Staatlichen Münzsammlung München liegt dieser andere Antoninian des Proculus, der 1991 beim Bankhaus Aufhäuser für 92.000 DM verkauft wurde. Dieser war in einer alten Sammlung entdeckt worden und war seinerzeit heftig umstritten. 3. Jahrhundert nach Christus? Humanistenfälschung des 15. Jahrhunderts? Spätantike Prägung von Barbaren, die römische Münzen nachahmten? Die Münze war und blieb ein Unikum.

Bei Proculus, dessen Name auf dem Stück steht, handelt es sich um einen Usurpator, von dem wir keine weiteren Münzen und keine Inschriften kennen. Nur spätantike Historiker berichten von ihm, allerdings scheint das meiste daran Erfindung zu sein. Proculus wurde wohl in Köln zum Kaiser ausgerufen, aber sehr schnell von einem Feldherrn des regierenden Kaisers Probus niedergeschlagen. Da in dem Teil des Reichs keine offiziell Münzstätte zur Verfügung stand, sind ohnehin kaum Münzen zu erwarten.

Jetzt tauchte in England allerdings ein zweiter Antoninian des Proculus auf, möglicherweise mit dem selben Stempel geprägt. Und wieder erhob sich Kritik. Roger Bland, Numismatiker am British Museum in London, zeigte sich äußerst skeptisch. Er hält beide Münzen für Nachahmungen des 15. Jahrhunderts, als die antikenbegeisterten Gelehrten Münzen der römischen Kaiser sammelten und natürlich von jedem der Herrscher ein Exemplare besitzen wollten. Fand sich keins, prägten sie eben selbst, wie sie sich die Münzen vorstellten.

Doch bereits die erste Münze wurde von ebenso vielen Experten für eindeutig echt gehalten. Das zweite Exemplar dürfte also die Diskussionen um Proculus und seine Prägungen befeuern. Der Marktwert wurde bereits mit 75.000 bis 100.000 Euro geschätzt. Da die Münze ein Einzelfund ist, wurde sie zwar amtlich registriert, aber nicht als Schatzfund deklariert. Den Erlös dürfen die Sondengänger also unter sich aufteilen. Einen Anteil wollen sie auch dem Grundstückseigentümer geben, der ihnen die Erlaubnis erteilte, auf seinem Grund und Boden nach Münzen zu suchen.

Einen Bericht von diesem Sensationsfund finden Sie hier.

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