Unentdeckte Schätze bei Umlaufmünzen. Eine Übersicht. Teil 2

von numiscontrol

8. Februar 2018 – Ob Sie Euro-Münzen sammeln oder nur damit bezahlen: Ein zweiter Blick in Ihren Geldbeutel lohnt, wie unser Autor numiscontrol in seinem Artikel über Fehlprägungen schreibt. Im ersten Teil behandelte er Stempelrisse, Stempelausbrüche, Lichtenrader Prägungen und Prägeschwächen. Im zweiten Teil seines Leitfadens setzt er die Reise durch Ihr Portemonnaie fort.

10-Cent 2002 (Italien) mit doppeltem Rand. Schätzung: 1 Euro.

10-Cent 2002 (Italien) mit doppeltem Rand. Schätzung: 1 Euro.

Doppelten Rand

Auf den Stücken erkennt das geübte Auge sofort, dass hier etwas nicht stimmen kann. Der sogenannte doppelte Rand kann sehr unterschiedlich daherkommen. Vermutlich entsteht er durch den Stauchvorgang vor der Prägung. Der doppelte Rand erscheint ein- oder beidseitig auf der Münze, schwach oder sehr deutlich. Gute Stücke mit dieser Erscheinung sollten allerdings nur einen Platz in der Sammlung bekommen, wenn auf beiden Seiten der Münze der doppelte Rand vollständig und ohne Lupe zu erkennen ist. Aus Italien gibt es zum Beispiel sehr schöne 10-Cent-Stücke mit doppelten Rand.

10-Cent 2002 (Deutschland) mit doppeltem Rand (Detailfoto). Schätzung: 1 Euro.

10-Cent 2002 (Deutschland) mit doppeltem Rand (Detailfoto). Schätzung: 1 Euro.

Aber auch von deutschen Münzen wurden bereits viele Stücke mit doppeltem Rand gefunden. Bei dieser Gelegenheit gleich noch etwas über den Rand, besser Randstab genannt. Wenn Sie mehrere 10-Cent-Stücke aufeinanderlegen und sich den Riffelrand betrachten, dann werden Sie auch dort Unterschiede bemerken. Einen Sammlermarkt gibt es aber zu solchen Randunterschieden nicht. Trotzdem ist es ratsam, den Rand immer genau zu betrachten, besonders den Schriftrand der 2-Euromünzen. Rändlungsfehler oder Verwechslungen kommen immer wieder einmal vor.

1-Euro 2002 (Italien) mit Dezentrierung. Schätzung: 30 Euro.

1-Euro 2002 (Italien) mit Dezentrierung. Schätzung: 30 Euro.

Dezentrierungen

Sie entstehen, wenn eine Münzronde nicht zentriert von beiden Stempeln getroffen und geprägt wird. Meist ist davon nur eine Seite betroffen, doch gibt es auch Stücke mit einer Dezentrierung auf beiden Seiten. 

2-Euro 2004 (Deutschland): Spiegelei. Schätzung: 90 Euro.

2-Euro 2004 (Deutschland): Spiegelei. Schätzung: 90 Euro.

Ich habe unter den Dezentrierungen auch das sogenannte „Spiegelei“ aufgenommen, da sich das Material der Pille durch den Prägedruck über das linke Münzbild verbreitet hat. Solche Stücke werden von den Sammlern gesucht und sind auch teurer als andere Fehlprägungen.

1-Euro 2004 (Deutschland) mit Mehrfachschlag. Schätzung: 10 Euro.

1-Euro 2004 (Deutschland) mit Mehrfachschlag. Schätzung: 10 Euro.

Mehrfachschlag

Von einem Mehrfachschlag spricht man, wenn auf dem Münzbild einige Konturen doppelt sind. Die Ursachen dafür liegen meist darin, dass eine bereits geprägte Münze den Prägeprozess doppelt oder gar mehrfach durchläuft. Da die Stempel dann nicht immer dieselbe Stelle treffen, kommt es vor, dass eben Sterne oder auch Teile vom Adler doppelt erscheinen. Auch hier gilt: Umso deutlicher der Fehler erkennbar ist, umso begehrter sind solche Stücke für Sammler.

2-Euro 2002 (Deutschland) mit Mehrfachschlag. Schätzung: 10 Euro.

2-Euro 2002 (Deutschland) mit Mehrfachschlag. Schätzung: 10 Euro.

Es gibt Stücke, auf denen der Adler gleich mehrfach geprägt wurde und es so aussieht, als fliege er aus dem Münzbild heraus. Solche Stücke sind natürlich äußerst begehrt.

2-Euro 2002 (Italien) mit Zainende der Pille. Schätzung: 80 Euro.

2-Euro 2002 (Italien) mit Zainende der Pille. Schätzung: 80 Euro.

Zainende

Eine wirklich schöne und auch leicht optisch zu findende Fehlprägung ist das Zainende der Pille, also des Mittelstücks der Euromünzen, bei den 1- und 2-Euro-Stücken. Diese Art von Fehlprägung entsteht beim Ausstanzen der Rohlinge aus dem Zainblech. Es kommen zwei Arten vor, runde und gerade Zainenden. Das runde Zainende entsteht, wenn das Zainblech verrutscht und dabei das verbliebene Loch eines bereits ausgestanzten Rohlings trifft. Gerade Zainenden entstehen, wenn der Rohling am Rande vom Zainblech ausgestanzt wurde. Auf den Euromünzen sind Zainenden in verschiedenen Größen und auf allen Nominalen zu finden. Bei den 1- und 2-Euromünzen gibt es aufgrund der beiden unterschiedlichen Metalllegierungen und der somit getrennten Ausstanzung von Ring und Pille besonders schöne Zainenden zu finden. Ist die Pille z. B. ein Zainende, kann der Betrachter durch die Münze hindurch blicken.

1-Cent 2008 (Irland) mit BURO. Schätzung: 10 Euro.

1-Cent 2008 (Irland) mit BURO. Schätzung: 10 Euro.

Besonderheiten

Zu den Besonderheiten rechne ich alles, was auf den Münzen zu sehen ist, dort aber nicht hingehört. Das können einzelne Buchstaben sein, welche das Stück ganz anders erscheinen lassen.

1-Euro 2009 (Finnland) mit FURO. Schätzung: 50 Euro.

1-Euro 2009 (Finnland) mit FURO. Schätzung: 50 Euro.

Zum Beispiel fand ich den „FURO“ und den „BURO“ auf Münzen. Warum das Münzbild sich so bei der Prägung verändert hat, kann man kaum erklären, nur vermuten. Aber lustig sehen doch beide aus. Oder?

1-Euro 1999 (Spanien) mit normaler Länderstruktur (li.) und mit fehlerhafter Länderstruktur. Schätzung: 30 Euro.1-Euro 1999 (Spanien) mit normaler Länderstruktur (li.) und mit fehlerhafter Länderstruktur. Schätzung: 30 Euro.

1-Euro 1999 (Spanien) mit normaler Länderstruktur (li.) und mit fehlerhafter Länderstruktur. Schätzung: 30 Euro.

Die nächste Besonderheit kommt auf der Wertseite von 1- und 2-Eurostücken vor. Betroffen sind Stücke mit der alten dargestellten Länderstruktur (1999-2006). Hier ist auf normalen Stücken nur das Gebiet der Schweiz ungeprägt und erscheint ohne Punktstruktur. Es gibt aber aus fast allen Ländern Stücke, welche große Gebiete von Europa als Freifläche zeigen. Sie sind je nach Erhaltung und Erkennbarkeit beim Sammler beliebt. Vermutlich wurde bei der Herstellung der Prägestempel dieses Detail übersehen und erst später korrigiert. Die Stückzahl der Münzen mit diesem Fehler ist unbekannt.

2-Cent (Deutschland) normal, ohne zusätzliche Blattrippe (li.) und mit zusätzlicher Blattrippe (re.). Schätzung: 20 Euro.2-Cent (Deutschland) normal, ohne zusätzliche Blattrippe (li.) und mit zusätzlicher Blattrippe (re.). Schätzung: 20 Euro.

2-Cent (Deutschland) normal, ohne zusätzliche Blattrippe (li.) und mit zusätzlicher Blattrippe (re.). Schätzung: 20 Euro.

Auf den 2-Centmünzen aus Deutschland gibt es kleinere Ablagerungen, welche aber relativ häufig vorkommen. Selten dagegen sind Fehler an den Blattrippen. Ich konnte eine zusätzliche Blattrippe finden, wie Sie auf diesem Foto sehen. Achten sie darauf, denn es gibt dieses Phänomen nicht so oft!

50-Cent 2002: Probe mit drehenden Sternen, nur leicht entwertet. Schätzung: 200 Euro.

50-Cent 2002: Probe mit drehenden Sternen, nur leicht entwertet. Schätzung: 200 Euro.

Ein Highlight sind bei allen deutschen Euromünzen die „drehenden Sterne“ auf der nationalen Seite. Solche Stücke, obwohl Probestücke, sind wirklich in den Umlauf gekommen und werden auch noch heute ab und an gefunden. Die meisten wurden allerdings entwertet (gewalzt) und vernichtet.
Doch auch bereits entwertete Stücke kamen auf rätselhafter Weise in geringer Stückzahl in den Umlauf. Solche Stücke werden meist nicht unter 1.000 Euro angeboten und verkauft.
Wer ein solches Stück aus dem Umlauf fischt, der hat wirklich einen kleinen Lotteriegewinn gemacht. Aber es ist auch nicht leicht, sich von solch einem Fund zu trennen, schließlich handelt es sich um kleine Schätze der Numismatik.

Wer schon länger Münzen sammelt und eventuell sogar ganze Sätze besitzt, welche als Jahrgangssätze von den einzelnen Prägeanstalten herausgegeben werden, der sollte auch hier die Münzen gut betrachten, bevor er sie in seine Sammlung aufnimmt. Es kommt vor, dass sich eine Fehlprägung in solch einen Satz einschleicht. Solche Fehlprägungen lagern bisweilen noch original verpackt jahrelang in einem Schrank. Werden sie dann endlich einmal von der Postverpackung befreit, gibt es beim Betrachten der Münzen eine freudige Überraschung.

1-Euro-Fehlprägung im KMS Stempelglanz Vatikan 2004. Bildseite (li.) und Wertseite (re.). Schätzung: Liebhaberpreis.1-Euro-Fehlprägung im KMS Stempelglanz Vatikan 2004. Bildseite (li.) und Wertseite (re.). Schätzung: Liebhaberpreis.

1-Euro-Fehlprägung im KMS Stempelglanz Vatikan 2004. Bildseite (li.) und Wertseite (re.). Schätzung: Liebhaberpreis.

So erging es auch einem Sammler aus Sachsen, der seit Jahren die Euromünzen aus dem Vatikan sammelt und dort ein Abo hat. Beim Sortieren seiner Sammlung stieß er vor einigen Wochen auf den Kursmünzsatz (KMS) aus dem Jahre 2004, den er noch nicht ausgepackt hatte.
Darin befand sich eine bisher unbekannt gebliebene Fehlprägung der 1-Euromünze mit gespaltener Pille. Auf beiden Seiten ist dadurch das Münzbild in der Mitte nicht sichtbar, weil die plattierte Pille beim Prägevorgang oder auch schon beim Zusammenfügen von Pille und Ring zersprungen ist. Auch beim Bestücken des KMS ist die Fehlprägung nicht aufgefallen. Fehlprägungen auf Vatikanmünzen sind bisher fast unbekannt und daher sehr selten.
Solch ein Stück und dann noch in einem KMS ist ein Unikat! Solch ein KMS ist nicht unter 120 Euro auf dem Markt zu bekommen. Die 1-Euromünze selbst gab es nur in Sätzen, sie ist nicht in den Umlauf gekommen. Von Münze und Satz existieren nur 85.000 Exemplare. Der Finder ist wirklich ein Glückspilz und kann einen Liebhaberpreis verlangen – wenn er überhaupt verkaufen will. 

2-Euro Probe ohne Jahr und Prägebuchstaben. Schätzung: Liebhaberpreis.

2-Euro Probe ohne Jahr und Prägebuchstaben. Schätzung: Liebhaberpreis.

Damit will ich den kleinen Rundgang durch die Phänomene der Fehlprägungen auf Münzen beenden. Ich wünsche Ihnen viel Glück bei der Suche nach Ihren Münzschätzen.
Das Sammelgebiet „Fehlprägungen“ ist ein vielseitiges Thema in der Numismatik und bringt immer wieder Altbekanntes oder auch Neues zum Vorschein. Vieles liegt im Verborgenen und wartet darauf, entdeckt und bestimmt zu werden. Man muss nicht unbedingt viel Geld für sein Hobby ausgeben, denn wenn man ein geschultes Auge entwickelt hat, findet man alles im eigenen Geldbeutel.
Meine Frau würde inzwischen keine Münze, die sie als Wechselgeld bekommen hat, sofort und unkontrolliert wieder ausgeben. Alles wird bei ihr separiert und am Abend „vorgeschüttet“. Das nenne ich eine numismatische Ehe.
Und was haben wir schon immer von unseren Eltern gehört? Haben sie uns nicht stets ermahnt: „Kind, wenn Du später einmal selbst Geld besitzt, dann drehe es dreimal um, bevor Du es wieder ausgeben wirst.“ Und genau das machen wir!

Alle Fotos: Angela Graff

Teil 1 lesen Sie hier.

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