Das „Jahr ohne Sommer“ und andere extreme Naturereignisse

17. August 2017 – In Kooperation mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) widmet sich die neue Sonderausstellung im Haus der Natur im Museum Niederösterreich einem hochaktuellen Thema. Unter dem Titel „Gewaltig! Extreme Naturereignisse“ beleuchtet die Schau bis 11. Februar 2018 historische und aktuelle Naturkatastrophen, wie sie entstehen und wer in der Not hilft.

Der Ausbruch des Vulkans Tambora in der Ausstellung. © Helmut Lackinger.

Der Ausbruch des Vulkans Tambora in der Ausstellung. © Helmut Lackinger.

„Vorbei an einem von einer Mure verschütteten Auto und einer temporären Hochwasser-Schutzwand über einen Hochwassersteg begeben sich unsere Besucherinnen und Besucher mitten ins Geschehen“, erklärt Matthias Pacher, Geschäftsführer vom Museum Niederösterreich, die interaktive Ausstellung, die für gewaltige Begegnungen mit dem Thema sorgen soll.
„In der Ausstellung erklären wir nicht nur, wie diverse Naturkatastrophen entstehen“, sagt Christa Hammerl, Kuratorin der Schau. „Wir befassen uns auch mit der Frage, wann Naturkatastrophen als solche wahrgenommen werden, warum wir glauben, dass sie angesichts des Klimawandels häufiger auftreten und werfen dabei auch spannende Blicke in die Geschichte“, so Hammerl.

Was ist eine Katastrophe?

Die Hochwasserereignisse an der Donau in den letzten 15 Jahren, die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean 2004, die Schäden durch den Hurrikan Katrina in den USA 2005, der Orkan Kyrill in Europa im Jahr 2007, der Vulkan Eyjafjallajökull 2010 oder die Erdbeben 2016 in Mittelitalien: Naturkatastrophen sind durch unsere medial durchdrungene Welt sehr präsent, egal, ob sie uns direkt betreffen oder nicht. Die Schau erklärt, wie sie entstehen. Warum fallen Meteoriten vom Himmel? Was ist der Unterschied zwischen der Magnitude und der Intensitätsskala bei einem Erdbeben? Wann wird ein Hochwasser zur Katastrophe? Wie hängen Naturkatastrophen mit sozialen Problemen zusammen? Wie definiert sich überhaupt eine Katastrophe?

In der Ausstellung ist auch ein sogenannter Hungertaler zu sehen. © Helmut Lackinger.

In der Ausstellung ist auch ein sogenannter Hungertaler zu sehen. © Helmut Lackinger.

Der Ausbruch des Vulkan Tambora

Im Jahr 1815 brach der Vulkan Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa aus und sorgte neben 14.000 Toten und zerstörerischen Flutwellen 1816 auch für ein „Jahr ohne Sommer“ in Nordamerika und Europa. Das Schwefeldioxid verdunkelte den Himmel, die Durchschnittstemperatur sank um ein bis zwei Grad Celsius und Missernten sowie erhöhte Sterblichkeit der Nutztiere führten zur schlimmsten Hungersnot des 19. Jahrhunderts.

Der Hungertaler. © Foto: Christa Hammerl.

Der Hungertaler. © Foto: Christa Hammerl.

In der Ausstellung ist ein so genannter „Hungertaler“ aus Kufstein zu sehen, der diese Zeit dokumentiert. Er wurde zur Erinnerung an das Katastrophenjahr 1816 geprägt und ist ein besonders schönes Exemplar zum Öffnen mit eingelegten Papierblättchen mit kleinen Bildern und Texten.

Der Hungertaler. © Foto: Christa Hammerl.

Der Hungertaler. © Foto: Christa Hammerl.

Den Hungertaler übernahm Christa Hammerl, die Ausstellungskuratorin von Hugo Oberkofler, dem Leiter des Festungs- und Heimatmuseums Kufstein.

Kurioses Wissen wie Spuren von Tsunamis in Stetten bei Korneuburg, der Turm der acht Winde von Aristoteles oder italienische Hagelraketen dürfen in der Schau natürlich nicht fehlen. Kurator Erich Steiner erklärt, wie auch Tiere zur Plage werden können, wenn sie in Massen auftreten, von der Reblaus über die Wegschnecken bis zu den biblischen Heuschrecken.

Tierische Plagen

Erich Steiner, wissenschaftlicher Leiter vom Haus der Natur im Museum Niederösterreich hat sich mit den tierischen Plagen befasst: „Egal ob Reblaus, Wegschnecke oder Heuschrecken. In der Ausstellung zeigen wir auch jene Beispiele, wo die Natur der Natur zugesetzt hat. Denn auch Tiere können zur Naturkatastrophe werden, wenn sie in großen Massen auftreten“, so Steiner.

Pioniere der Geophysik

Mit elf noch nie gezeigten historischen Messinstrumenten, die Kurator Peter Melichar fachkundig restauriert hat, und zahlreichen Dokumenten beleuchten die Schau drei Pioniere der geophysikalischen Wissenschaften: Carl Friedrich Gauß, Karl Kreil und Victor Conrad.  „Mit einer Direktübertragung der Messdaten vom Conrad Observatorium am Trafelberg in Niederösterreich zeigen wir neue Wege der geophysikalischen Grundlagenforschung“, so Melichar über die Schau.

Begleitet wird die Schau von einem umfangreichen Rahmenprogramm, zu dem Sie sich ausführlich auf der Webseite des Museums informieren können.

Schauen Sie sich auch den Film „ Klimawandel – 1816: Das Jahr ohne Sommer“ an. Darin erfahren Sie mehr über den Ausbruch des Tambora und seine wirtschaftlichen und sozialen Folgen.

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