45 Jahre MünzenRevue: „Eine Information für alle, welche eine Münze besitzen“

von Rainer Albert

15. August 2013 – Die erste Nummer umfasste 12 Seiten im Zeitungsformat und informierte auf dem Titel „Erscheint immer am 1. und 15. des Monats an Ihrem Kiosk“, sie kostete in Deutschland 75 Pfennige. Heute sind daraus 11 Ausgaben im Jahr geworden, keine unter 166 Seiten und hervorragend farbig bebildert.

Die erste Ausgabe der MünzenRevue erschien im November 1969 mit 12 Seiten Umfang im Zeitungsformat. Schon in der ersten Nummer gab es den

Die erste Ausgabe der MünzenRevue erschien im November 1969 mit 12 Seiten Umfang im Zeitungsformat. Schon in der ersten Nummer gab es den "Münztrend".

Aber wieso entstand 1969 eine neue numismatische Zeitschrift, die sich zudem kontinuierlich vergrößerte und ihren Leserkreis stetig mehr ausweiten konnte? Immerhin gab es nach dem 2. Weltkrieg verschiedene Neugründungen von numismatischen Zeitschriften, die Numismatiker hatten durchaus eine beachtliche Auswahl.
Am Anfang der MünzenRevue stand die Idee eines aufmerksamen Beobachters: Albert M. Beck, damals Lehrer an der Allgemeinen Gewerbeschule Basel und zugleich Hörer an der Universität Basel, erkannte, dass die Weltwirtschaftslage den Münzensammlern und den Münzenhändlern neue Perspektiven eröffnete. Werfen wir einen Blick in die numismatische Welt der 1950er und 1960er Jahre:
Ältere Sammler erinnern sich ja noch sehr gut, dass die ersten Gedenkmünzen nach dem 2. Weltkrieg kaum Beachtung fanden. Die erste bundesdeutsche Gedenkmünze, das „Germanische Museum“ von 1952, erschien in einer Auflage von 200.000 Exemplaren und war zum Nennwert von den Banken und Sparkassen nur schwer absetzbar. Die meisten Sammler beschäftigten sich mit älteren Münzen und hatten an aktuellen Prägungen kein Interesse, Nicht-Sammler wollten das Stück auch nicht, denn im normalen Zahlungsverkehr war es nicht unterzubringen (was ja auch mit heutigen Gedenkmünzen nicht einfach ist). So passierte es, dass in so mancher Schublade von Bankkassierern noch lange Zeit ungeöffnete Rollen dieser Münzen lagen und ab und zu wie sauer Bier angeboten wurden.

Wie sehr die etablierte Sammlerschaft auf ältere, „historische“ Münzen fixiert war, belegen Erlebnisse, die man in Münzvereinen der Zeit haben konnte: Bei Vereinsabenden durften nur ältere Münzen und Medaillen vorgelegt werden, wer mit „modernen“ Münzen erschien (und dazu gehörten manchmal schon Münzen des Kaiserreichs), wurde des Lokals verwiesen – manchmal mit dem Effekt, dass Sammler zeitgenössischer Münzen heimlich auf der Toilette tauschten oder auch zur Gründung neuer Vereine schritten, die toleranter waren. Wer dies alles als Märchen einstuft, dem sei zumindest ein Beispiel genannt: Die Numismatische Gesellschaft Speyer wurde 1965 in dem Bestreben gegründet, auch Sammlern moderner Münzen einen Treffpunkt zu schaffen, der ihnen in dem heute nicht mehr existierenden Ludwigshafener Verein verwehrt wurde.
Dies alles änderte sich, als in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre der gewachsene Wohlstand auch zur Hortung von Wertgegenständen, z.B. Edelmetallmünzen, führte. Auch das Sammeln moderner Weltmünzen wurde „gesellschaftsfähig“ und die Nachfrage nach modernen Münzen stieg bei gleichzeitigem Silberboom sprunghaft. Allerdings sah sich nun so mancher Kleinanleger dubiosen Geschäftsmethoden gegenüber. Hier erkannte Albert M. Beck in Basel Informationsbedarf – sowohl ökonomisch als auch historisch, im Interesse der Numismatik und der Numismatiker. Und so schreibt er in der ersten Nummer der MünzenRevue:
„Die überraschenden Vorgänge auf dem Silbermarkt und der damit zusammenhängende Legierungswechsel unserer traditionellen Silbermünzen bewirkten eine sprunghafte Entwicklung in der Numismatik. Tausende und Abertausende bis weit über unsere Landesgrenzen hinaus frönen seit kurzem einer neuen Leidenschaft, dem Sammeln von Münzen. Leider handelt es sich in vielen Fällen nicht um echte Numismatiker, sondern um planlose Horter und Spekulanten, denen Nichteingeweihte hin und wieder allzu leicht zum Opfer fallen. Ein wildes Durcheinander an Preisen, Gerüchten und Informationen beherrscht gegenwärtig die Lage, was der Numismatik keineswegs zuträglich ist. Wohl versuchen seit einiger Zeit interessierte Numismatiker mit verschiedenen Broschüren die Münzsammler zu orientieren, was sehr lobenswert ist, jedoch der heutigen dynamischen Entwicklung nicht genügend Rechnung trägt … Die Gesellschaft zur Förderung der Numismatik in Basel hat nun beschlossen, dem Wunsche zahlreicher Numismatiker zu entsprechen und eine einheitliche wegleitende Information, welche im In- und Ausland erscheinen wird, in handlicher Zeitungsform herauszugeben.“

1972 firmierte die MünzenRevue im Untertitel als

1972 firmierte die MünzenRevue im Untertitel als "numismatisches Bulletin", der Heftumfang betrug 36 Seiten.

Die MünzenRevue war geboren und ein Enthusiast ihr Gründer und Chefredakteur, der nun für die notwendigen und erwünschten Informationen sorgte, die bislang in den numismatischen Zeitschriften peinlich ausgespart geblieben waren: Angaben zu Preisen und Preistrends.
Von Anfang an gab es in der MünzenRevue das, was auch heute den größten Umfang in jeder Ausgabe ausmacht, den Coin Trend, die Bewertungslisten für Münzen aus Deutschland, Österreich (-Ungarn), Liechtenstein und der Schweiz (immer wieder ergänzt durch andere Gebiete).

Ein geänderter Schriftzug und

Ein geänderter Schriftzug und "Internationale Monatszeitschrift für Münzensammeln" im Untertitel, das war die MünzenRevue im Januar 1974, der Umfang betrug 40 Seiten.

War dieser Bewertungsteil anfänglich nur eine einfache und unbebilderte Auflistung der Münzen, so erfüllte er doch seinen Zweck. Den Sammlern war ein Instrument in die Hand gegeben, die Preise in einem sachkundig zusammengestellten Katalog zu verfolgen, der nicht die Preisliste eines einzelnen Händlers war, sondern aus vielen Marktbeobachtungen gewonnen und laufend aktualisiert wurde. Leicht zugänglich ist dieser Bewertungsteil heute immer noch, aber er hat seine Form mehrfach verändert, zuletzt mit Beginn des Jahres 2013. Die stark ausgeweitete Bebilderung ist dabei die unmittelbar auffallendste Veränderung. Gab es zum Beispiel im Kaiserreich-Kapitel „Die Münzen von 2 Mark bis 5 Mark“ bislang auf ca. 3,5 Seiten 11 Münzbilder, so sind das nun ca. 9 Seiten mit 172 (!) Münzbildern: Alle Typen sind abgebildet. Und das ist durchgängig so, alle deutschen Münzen vom Kaiserreich bis zum Ende der D-Mark sind zumindest mit ihrer Bildseite abgebildet. Aus dem Bewertungsteil ist so ein echter und wahrlich umfangreicher Katalog geworden, der in der neuen Form auch nach Nominalen geordnet ist.

Nahe am heutigen Layout: die MünzenRevue im Januar 1979 mit 72 Seiten Umfang und dem leicht veränderten Untertitel

Nahe am heutigen Layout: die MünzenRevue im Januar 1979 mit 72 Seiten Umfang und dem leicht veränderten Untertitel "Internationale Monatszeitschrift für Münzensammler".

Das äußere Erscheinungsbild der MünzenRevue wurde mehrfach verändert, mit dem 11. Jahrgang (1979) bekam es die Form, die im Grundzug bis heute erhalten blieb. Im Untertitel hieß sie zu diesem Zeitpunkt schon „Internationale Monatszeitschrift für Münzensammler“, nachdem sie vorher als „Numismatisches Bulletin“ und „Internationale Monatszeitschrift für Münzensammeln“ firmiert hatte.

"international coin trend journal" lautet der Untertitel der MünzenRevue seit August 1982, die einen Umfang von 86 Seiten hat.

Den heutigen Untertitel „international coin trend journal“ bekam die Zeitschrift im August 1982, seitdem heißt sie auch ergänzend „Internationale Monatszeitschrift für Münzen-, Banknoten- und Wertpapiersammler“.
1979 war der Bewertungsteil schon stark angewachsen und man führte neben dem „neuen Gesicht“ der Zeitschrift für bestimmte Länder einen turnusmäßigen Wechsel innerhalb des Jahres ein. Wie sehr die MünzenRevue zu diesem Zeitpunkt auch für historisch interessierte Sammler und „strenge“ Numismatiker bereits etabliert war, zeigt das Editorial vom Januar 1979, in dem es heißt:
„Das redaktionelle Konzept wird auch 1979 beibehalten. Wir bringen redaktionelle Beiträge von der Antike bis zur Gegenwart. Der numismatische Führer, der unentbehrliche Indikator für Sammler und Händler, wird immer umfangreicher. Und was auch heute zu den Kernstücken einer jeden MünzenRevue gehört: Der Neuheitendienst wird besonders gepflegt werden. Wir orientieren Sie ausführlich über Treffpunkte, Börsen und Auktionen.“

Dass dieses Konzept von immer mehr Lesern geschätzt wurde, zeigt sich auch dadurch, dass im Laufe der Zeit andere numismatische Zeitschriften in der MünzenRevue aufgingen. Das waren „Der Münzensammler mit dem Münzenmarkt. Monatszeitschrift für Numismatiker“, der von Philipp Kaplan in Münster von Juni 1973 bis Januar 1978 im Eigenverlag, dann bis 1983 im Verlag für Münzliteratur Karl-Heinz Wielers, ebenfalls in Münster, herausgegeben worden war, und „Die Münze. Informationen für Münzensammler und solche, die es werden wollen“. Diese Zeitschrift erschien von 1970 bis 1982 in der Verlagsabteilung der Buchdruckerei Erich Pröh in Berlin, ab Januar 1978 im Verlag Deutsche Münze in Braunschweig, die redaktionelle Verantwortung hatte zunächst Hans Meyer aus Stolberg, ab Mitte 1980 Karin Bader in Braunschweig.
Diese ganze erfolgreiche Entwicklung verlief immer unter der Chefredaktion von Albert M. Beck in Basel. So konnte er 2000 auch schreiben: „Mit dem Erscheinen dieser Dezember-Nummer habe ich seit 1969 als Alleinverantwortlicher 380 MünzenRevue-Ausgaben redigiert. Ich durfte Dank der Treue der Sammler und Inserenten die MünzenRevue durch 32 bewegte numismatische Jahre zum heutigen internationalen Stellenwert führen. Mit dem Grundsatz, den Sammler zu schützen, den Handel zu fördern, die Konkurrenz zu respektieren und Polemik zu vermeiden, gewann ich weltweit viele Freunde, zu denen heute Vertreter aus der ganzen numismatischen Bandbreite, von den Trägern der klassischen Numismatik bis zum Münzenproduzenten, gehören.“
Der Grund für diesen Rückblick folgte sogleich: „Aus gesundheitlichen Gründen sah ich mich veranlasst, nach einem Steuermann zu suchen, der mir – treu dem bisherigen Leitsatz – hilft, die MünzenRevue erfolgreich in die Zukunft zu steuern. Mit dem Gietl Verlag habe ich motivierte und engagierte Kapitäne gefunden, die bereit sind, die MünzenRevue mit Begeisterung ins neue Jahrtausend zu führen.“

Nach der Übernahme der MünzenRevue durch den Gietl Verlag im Jahr 2000 fand die Zeitschrift im Januar 2001 ihr heutiges Aussehen und erschien mit 144 Seiten - daraus sind heute mindestens 166 Seiten geworden, immer wieder mal auf 182 Seiten aufgestockt.

Nach der Übernahme der MünzenRevue durch den Gietl Verlag im Jahr 2000 fand die Zeitschrift im Januar 2001 ihr heutiges Aussehen und erschien mit 144 Seiten - daraus sind heute mindestens 166 Seiten geworden, immer wieder mal auf 182 Seiten aufgestockt.

Der Gietl Verlag änderte das bewährte Konzept nicht, sondern entwickelte es mit Helmut Kahnt als neuem Chefredakteur nach den Erfordernissen der Zeit und Wünschen der Leserschaft fort. Mit der Januar-Ausgabe 2001 wurde nicht nur das heute noch gültige Titelbild-Konzept vorgestellt, sondern auch der Umfang deutlich erweitert – von 120 auf 144 Seiten, heute sind es 166 Seiten und manchmal auch 182 Seiten. Das Layout wurde etwas modernisiert, die MünzenRevue kam ins Internet und im Laufe der Zeit wurde die Abonnenten-Betreuung immer weiter ausgebaut, so sind heute Münzblister-Beilage und Treue-Gutschein attraktive Zugaben für Abonnenten.
Dass diese Entwicklung so bruchlos vonstatten gehen konnte und die Leserschaft ebenso wie die Inserenten gerne folgten, ist nicht nur der kompetenten Arbeit des Gietl Verlages und seiner Mitarbeiter sowie dem neuen Chefredakteur Helmut Kahnt zu verdanken, sondern auch Albert M. Beck, der nicht von Bord ging, sondern sich weiter um „seine“ MünzenRevue kümmert – was nicht zuletzt an seinem bis heute in jeder Ausgabe erscheinenden Editorial zu sehen ist.
Helmut Kahnt, mit vielen anderen Aufgaben im Gietl Verlag betraut, gab die Chefredaktion an Dr. Ursula Kampmann ab, die „ihre“ erste Ausgabe im Oktober 2002 vorlegte, natürlich weiter unterstützt von den beiden vorherigen Chefredakteuren. Sie baute das breitgefächerte Informationsangebot weiter aus und berichtet seitdem aus allen Teilen der numismatischen Welt, die sie fleißig bereiste und bereist. Diese Berichte sind stets gern gelesene Informationen, auch jetzt, als nach 10 Jahren unter ihrer Leitung mit der September-Nummer 2012 Dr. Rainer Albert die Chefredaktion übernahm.
Und so bietet auch im 45. Jahrgang die MünzenRevue Information für alle, welche eine Münze besitzen. Bewertungslisten, Neuheitenberichte und Buchbesprechungen, Auktionsvorberichte, aktuelle Informationen aus der gesamten Welt der Numismatik, aber auch mehrere numismatische Beiträge, reich und farbig illustriert, bilden die wichtigsten inhaltlichen Elemente einer jeden Ausgabe. In diesem Jahr wird erstmals auch ein Jahresinhaltsverzeichnis erscheinen, das die Nutzung der MünzenRevue weiter erleichtern soll, getreu der Devise immer im Dienste der Sammler und der Numismatik.

Die MünzenRevue finden Sie auf der Seite des Battenberg Gietl Verlags.

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